Kinderwunschbehandlung im Ausland

IVF: kurzes oder langes Protokoll?

IVF: kurzes oder langes Protokoll

IVF: kurzes oder langes Protokoll?

Es gibt bei der Behandlung für eine in vitro-Fertilisation zahlreiche Behandlungsprotokolle, die zur Stimulation der Follikelreifung angewendet werden können. Eine grobe Unterscheidung ist zwischen langen und kurzen Behandlungsprotokollen zu treffen, auf die ich im folgenden näher eingehen möchte.

Langes Protokoll

Das lange Protokoll beginnt vor dem Einsatz der Regelblutung der Patientin, etwa um den 21. Tag des vorherigen Zykluses.  Für das lange Protokoll wird in der Regel ein Behandlungsplan mit folgenden Medikamente aufgestellt:

  • Agonisten: der Einsatz von Agonisten dient zur vorübergehenden Hinderung der Ausschüttung der Hormone LH und FSH, die für die Eizellreifung und Hormonproduktion in den Eizellen verantwortlich sind. Die Agonisten können durch subkutane Injektion verabreicht werden.

Sie werden ab dem 21-28. Zyklustag jeden Tag zur gleichen Uhrzeit verabreicht. So wird der Körper auf die anschlieβende Stimulation vorbereitet.

  • Hormonelle Stimulation der Eierstöcke: dabei handelt es sich um Injektionen der Hormone FSH und LH, um das Wachstum der Follikel anzuregen.

Die Stimulation beginnt nach Eintreten der Regelblutung und einer ersten Ultraschallkontrolle. Am gleichen Tag, an dem FSH und LH begonnen wird, wird die Dosis der Agonisten halbiert. Alle Medikamente sollten weiterhin um die gleiche Uhrzeit – vorzugsweise abends – injiziert werden.

  • Das Wachstum der Follikel wird dabei durch regelmäβige Ultraschallkontrollen und Blutentnahmen beobachtet. In der Regel dauert die Stimulation etwa 14-20 Tage.
  • Sobald die Follikel die gewünschte Gröβe con etwa 17-20mm erreichen wird das hCG-Hormon verabreicht, um den Eisprung einzuleiten.
  • 34-36 Stunden nach Auslösen der Ovulation werden die Eizellen durch die Follikelpunktion entnommen.

Kurzes Protokoll

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Das kurze Protokoll – a.g. Antagonistenprotokoll – beginnt zwischen dem 1. und dem 3. Tag der Regelblutung. Für das kurze Protokoll werden folgende Medikamente benötigt:

– Hormonelle Injektionen zur Stimulation der Eierstöcke: ähnlich wie beim langen Protokoll wird die Stimulation dank der täglichen subkutanen Verabreichung von FSH oder FSH + LH-Hormonen  durchgeführt.

– Antagonisten: bei Antagonisten handelt es sich um Injektionen, die während der Stimulation zum Protokoll hinzugefügt werden, um den Eisprung zu verlangsamen und zu kontrollieren. Die Medikamente werden etwa ab dem 5.-7. Tag der Stimulation eingesetzt.

– Injektion von hCG-Hormon zur Einleitung des Eisprungs

– Einnahme von Estradiol: in manchen Fällen wird zu Beginn des Zyklus die Einnahme von Östradiol empfohlen, um das Wachstum der Follikel besser zu synchronisieren.

Ein kurzes Protokoll läuft in der Regel wie folgt ab:

– Vor Beginn der Regelblutung beginnt die Patientien mit der Einnahme von Östradiol in Form von Tabletten oder Pflastern.

– Bei Eintritt der Blutung wird ducrh Ultraschall überprüft, dass keine Endometriumpolypen oder Zysten in den Eierstöcken vorliegen. Ist alles in Ordnung,  kann mit der Stimulation begonnen werden.

–  Zwischen dem ersten und dem dritten Tag der Regelblutung beginnt die Stimulation der Eierstöcke, wobei tägliche Injektionen der Hormone FSH oder FSH+ LH verabreicht werden. Während der Stimulationszeit werden etwa alle 2 bis 3 Tage Ultraschalluntersuchungen durchgeführt, um das Wachstum der Follikel zu kontrollieren.

– Sobald die Follikel die Größe von 12 bis 14 mm erreichen, beginnt die Patientin zusätzlich mit der Verabreichung eines Antagonisten-Präparates, um den Eisprung der größeren Follikel zu unterbinden. Das gibt kleineren Follikeln Zeit, um zu reifen.

– Sobald mehrer Follikel die Größe von 16 bis 20 mm erreichen wird der Eisprung programmiert.

Welches IVF-Protokoll ist besser : das lange oder das kurze?

Es gibt es kein besseres oder schlechteres Protokoll, denn jede Patientin ist anders und reagiert unterschiedlich auf die verschiedenen Protokolle. Deshalb wird der Behandlungsplan mit Berücksichtigung der individuellen Bedürfnisse der Patientin erstellt. Handelt es sich um eine junge Patientin mit guter ovarieller Reserve, tendiert man eher zu einem kurzen Protokoll, um lange Stimulationszeiten zu vermeiden.

Hat die Patientin mehrere erfolglose kurze Protokolle hinter sich oder einen geringen Eizellvorrat, so entscheidet man sich manchmal eher für ein langes Protokoll.

In beiden Fällen, sowohl bei einem langen als auch bei einem kurzen Protokoll, schenkt man der Krankengeschichte und den physischen Vorrausetzung der Patienten besondere Aufmerksamkeit, bevor man zur Erstellung des Behandlungsplans übergeht.

Dr. Katharina Spies ist Gynäkologin und Spezialistin für Reproduktionsmedizin.

Nach dem Studium an der Albert-Ludwigs-Universität in Freiburg und der Universidad Complutense in Madrid promovierte sie in Neurologie im Bereich „Motorisches Lernen und Genetik“ an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. Seit 2007 lebt sie mit ihrem spanischen Mann in Madrid, wo sie am Universitätskrankenhaus Fuenlabrada die Ausbildung zur Fachärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe machte.
Seit 2017 arbeitet sie als Spezialistin für Reproduktionsmedizin bei ProcreaTec.

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