Fragen zur weiblichen Fertilität

Die ovarielle Reserve

Die ovarielle Reserve

Die ovarielle Reserve

Das Thema der Eizellreserve ist so aktuell wie noch nie zuvor, weil heutzutage eine Tendenz dazu besteht, die Mutterschaft aus verschiedenen Gründen nach hinten zu verschieben. Dies ist jedoch – entgegen dem, was uns beispielsweise in den Medien glaubhaft gemacht wird – nicht über einen unbegrenzten Zeitraum möglich. Um nicht auf böse Überraschungen zu stoβen und keine Entscheidungen zu bereuen, ist es wichtig, gut über bestimmte Dinge informiert zu sein. Das Thema der ovariellen Reserve und ihr Einfluss auf die weibliche Fruchtbarkeit gehören ohne Zweifel dazu.

Bei der Geburt verfügt jede Frau über etwa eine Million Eizellen. Diese Reserve sinkt Monat für Monat ab, und bei Eintreten der Pubertät hat eine Frau im Durchschnitt etwa 400.000 Eizellen. Bei einer Frau im fruchtbaren Alter stellt der Körper zu Beginn jedes Menstruationszyklus eine bestimmte Anzahl an Follikeln zur Verfügung, aus denen einer ausgewählt wird, zum dominanten Follikel heranwächst und schlieβlich den Eisprung produziert. Die anderen Follikel gehen mit der Menstruation zugrunde. Im nächsten Zyklus wird eine neue Kohorte an Follikeln bereit gestellt.

Die Anzahl der Eizellen, über die der Körper verfügt und die zu einer möglichen Schwangerschaft führen können, wird als ovarielle Reserve bezeichnet. Sie ist unter anderem abhängig von dem Alter, genetischen, familiären oder Umweltfaktoren.

Obwohl man heute mit 35 Jahren um einiges jünger scheint, als es unsere Mütter in diesem Alter waren, hat dies leider keinen Einfluss auf die Eizellreserve und verlangsamt keineswegs die biologische Uhr. Ab einem Alter von etwa 35 Jahren beschleunigt sich die Abnahme der Eizellreserve, und ab etwa 38-40 Jahren sinkt sie mit gröβerer Geschwindigkeit.

Praktisch heiβt dies, dass man sich im Idealfall vor dem 35. Lebensjahr überlegen sollte, ob man eine Familie gründen oder Eizellen einfrieren lassen möchte, da dies der beste Zeitpunkt dafür ist. Es ist wichtig, die ovarielle Reserve durch einen Spezialisten untersuchen zu lassen, bevor man eine wichtige Entscheidung diesbezüglich trifft. Hierfür werden unterschiedliche diagnostische Methoden verwendet:

Das Anti-Müller-Hormon

Das Anti-Müller-Hormon (AMH) ist ein Proteohormon bzw. Glykoprotein, das bei geschlechtsreifen Frauen in den Granulosazellen der Follikel produziert wird. Dabei handelt es sich um potentiell reifungsfähige Primär– und Sekundärfollikel, was das AMH zu einem perfekten Marker der funktionellen ovariellen Reserve macht. Anders als andere hormonelle Marker unterliegt das AMH keinen zyklusabhängigen Schwankungen und kann zu jedem

Künstliche heterologe Insemination

beliebigen Zeitpunkt des Zyklus bestimmt werden. Vor Behandlungen der assistierten Reproduktion wird der AMH-Spiegel bestimmt, um einschätzen zu können, wie die Patientin auf eine ovarielle Stimulation reagieren wird und wie viele Eizellen durch die Behandlung gewonnen werden können. Mit zunehmendem Alter beobachtet man die Reduzierung des AMH-Wertes, entsprechend der kontinuiertlichen Abnahme der ovariellen Reserve.

Man spricht in der Regel von einer guten ovariellen Reserve bei AMH-Werten über 1.2-1.4 ng/ml.

Warum ist das Anti-Müller-Hormon aussagekräftiger als andere hormonelle Bestimmungen, wie beispielsweise FSH, LH und Östradiol?

Wie bereits erwähnt, kann das Anti-Müller-Hormon zu jedem beliebigen Zeitpunkt des Zyklus bestimmt werden, da seine Produktion in den Granulosazellen zyklusunabhängig stattfindet. Im Gegensatz dazu ändern sich die Werte der Hormone FSH, LH und Östradiol, je nachdem, in welchem Moment des Zyklus sie bestimmt werden.

Follikelstimulierendes Hormon (FSH)

Das follikelstimulierende Hormon (FSH) wird in der Hypophyse (Hirnanhangsdrüse) im Gehirn produziert und ist zusammen mit dem luteinisierenden Hormon (LH) für die Follikelreifung (und entsprechend der Eizellreifung) und für die Östrogenbildung bei der Frau zuständig. Die Aufgabe dieses Hormons ist, die Heranreifung der Eizellen der Frau bis zum Eisprung zu stimulieren.

Welcher FSH-Wert ist normal?

Anders als der AMH-Spiegel, ist der FSH-Wert zyklusabhängig und sollte zu Beginn der Proliferationsphase, zwischen dem zweiten und fünften Tag des Menstruationszyklus bestimmt werden. In der ersten Zyklushälfte liegt der FSH-Wert normalerweise zwischen 2,5 und 10,2 U/I, im Moment der Ovulation zwischen 3,4 und 33,4 U/I und in der zweiten Zyklushälfte zwischen 1,5 und 9,1 U/I. Während der Schwangerschaft sinkt der Wert unter 0,3 U/I.

In der Schwangerschaft sinkt der FSH-Wert auf natürlich Weise. Wird ein niedriger Wert jedoch in anderen Lebensphasen beobachtet, kann das ein Anzeichen für das eventuelle Vorliegen von Erkrankungen sein und sollte von einem Spezialisten untersucht werden. Ein zu hoher Wert kann, sowohl bei Frauen als auch bei Männern, auf eine Fehlfunktion der Geschlechtsorgane hinweisen, in denen die Sexualhormone gebildet werden (die Eierstöcke bei der Frau, die Hoden beim Mann).

Da im Laufe des Zyklus kontinuierliche Schwankungen des FSH-Wertes auftreten, ist dessen Aussagefähigkeit bezüglich der funktionellen ovariellen Reserve deutlich eingeschränkt. Nichtsdestotrotz dient seine Bestimmung in der ersten Zyklushälfte, zusammen mit dem LH- und Östradiol-Wert zur Einschätzung der ovariellen Reserve der Frau.

Follikelzählung

Mithilfe einer transvaginalen Ultraschalluntersuchung kann die ovarielle Reserve der Frau eingeschätzt werden. Dabei werden, im Idealfall in den ersten fünf Zyklustagen, die Follikel gezählt, die in beiden Eirstöcken zu sehen sind. Diese sogenannten Antralfollikel sind 2-9mm groβ und geben Ausschluss über die funktionelle Reserve der Frau in diesem Zyklus. Es können geringe Schwankungen zwischen verschiedenen Zyklen auftreten, generell ist die Eizellreserve über mehrere Zyklen hinweg mehr oder weniger stabil. Die Bestimmung ist ebenfalls abhängig davon, welcher Arzt die Untersuchung durchführt.

Werden in der ersten Zyklusphase mehr als 10 Follikel in den beiden Eierstöcken zusammen gezählt, spricht man von einer normalen ovariellen Reserve. Beobachtet man unter sechs Follikel muss eine niedrige ovarielle Reserve vermutet werden. Über 12 Follikeln geht man von einer guten funktionellen Reserve aus.

Während in einem natürlichen Zyklus der Körper einen (oder maximal zwei) dominanten Follikel selektiert und heranreifen lässt, ist das Ziel der IVF-Behandlungen, durch die Gabe von Medikamenten (basierend in dem Prinzip der natürlichen körpereigenen Hormone) möglichst viele Follikel zu stimulieren und so möglichst viele Eizellen zur Befruchtung zu erhalten.

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Dr. Katharina Spies ist Gynäkologin und Spezialistin für Reproduktionsmedizin.

Nach dem Studium an der Albert-Ludwigs-Universität in Freiburg und der Universidad Complutense in Madrid promovierte sie in Neurologie im Bereich „Motorisches Lernen und Genetik“ an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. Seit 2007 lebt sie mit ihrem spanischen Mann in Madrid, wo sie am Universitätskrankenhaus Fuenlabrada die Ausbildung zur Fachärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe machte.
Seit 2017 arbeitet sie als Spezialistin für Reproduktionsmedizin bei ProcreaTec.

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