Fragen zur weiblichen Fertilität

Die Bedeutung des Anti-Müller-Hormons für die Fruchtbarkeitsbehandlungen

Die Bedeutung des Anti-Müller-Hormons für die Fruchtbarkeitsbehandlungen

Die Bedeutung des Anti-Müller-Hormons für die Fruchtbarkeitsbehandlungen

Viele Frauen sind sich der Existenz und der Bedeutung des Anti-Müller-Hormons nicht bewusst, bevor sie beginnen, sich mit Fragen über die Fruchtbarkeit im Rahmen einer Behandlung zu beschäftigen.

Das Anti-Müller-Hormon spiegelt mehrere physiologische Vorgänge im Körper der Frau wider, wie beispielsweise Zellwachstum und Zelldifferenzierung. Was jedoch für eine IVF-Behandlung von besonderer Bedeutung ist, ist der Wert dieses Hormons als Marker der weiblichen Fruchtbarkeit in Form der Eizellreserve.

Der Name geht auf den deutschen Mediziner Johannes Petter Müller zurück, der im 19. Jahrhundert zum ersten Mal von den sogenannten Müller-Gängen berichtete.

Welche Funktionen erfüllt das AMH?

Das Hormon ist sowohl während der Schwangerschaft als auch später bei geschlechtsreifen Frauen von Bedeutung.

Sobald sich in der Schwangerschaft beim Fötus die Geschlechtsmerkmale herausbilden, ist das Hormon bei männlichen Embryos für die Rückbildung der Müller-Gänge zuständig, die nur bei weiblichen Embryos ausgebildet bleiben.

Bei geschlechtsreifen Frauen gewinnt das Anti-Müller-Hormon erneut an Bedeutung, denn es steht im direkten Zusammenhang mit der Funktion der Eierstöcke und den reifungsfähigen Eizellen. Kurz gefasst: das AMH gibt an, wie hoch der Eizellvorrat bzw. wie fruchtbar die Frau ist.

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Abgesehen von der Diagnostik der Fruchtbarkeit, kann der AMH-Wert zur Diagnostik verschiedener Erkrankungen helfen. Bei Polyzistischem Ovarialsyndrom (PCOS) ist der Wert dauerhaft erhöht, bei Endometriose eher zu niedrig. Außerdem kann das AMH zur Vorraussage des Eintritts der Wechseljahre dienen: wenn der Wert zu niedrig ist, kann das heißen, dass die Menopause in den nächsten 3 Jahren eintreten wird. Bei Fruchtbarkeitsbehandlungen lässt man das Hormon vor dem Anfang der Behandlung bestimmen, um somit die richtige Dosis der Medikamente für die Stimulation der Eierstöcke zu bestimmen.

Wie bestimmt man den AMH-Wert?

Das AMH-Wert kann zu jedem beliebigen Zeitpunkt des Menstruationzyklus bestimmt werden, da er, im Gegensatz zu anderen Hormonen, nicht zyklusabhängig schwankt. Die Bestimmung des AMH-Wertes erfolgt über die Blutentnahme und ihre anschließende Analyse im Labor der Klinik.

Bei AMH-Werten über 1,2 -1.4 ng/ml (zwischen 1 – 8 mg/l) spricht man von einer guten ovariellen Reserve und somit guten Chancen auf eine Schwangerschaft.

Ab dem Alter von etwa 30 Jahren beginnt der AMH- Wert langsam zu sinken, was aber keine Unfruchtbarkeit bedeutet. Auch Frauen mit niedrigem AMH-Wert können schwanger werden. Zusätzlich zur ovariellen Reserve muss immer auch das Alter der Frau berücksichtigt werden,

da das Risiko, ein Kind mit einer Chromosomenstörung zu bekommen oder einen Schwangerschaftsverlust zu erleiden ab etwa 39 Jahren stetig ansteigt. Dies lässt sich durch die abnehmende Qualität der verbleibenden Eizellen, die oft in Zusammenhang mit der ovariellen Reserve steht, jedoch vor allem durch das Alter beeinflusst wird, erklären.

AMH bei IVF-Behandlungen

In der assistierten Reproduktion spricht man vom Anti-Müller-Hormon normalerweise im Zusammenhang mit der ovariellen Reserve der Frau.

Abgesehen vom AMH bestimmt man in der Regel das FSH (follikelstimulierendes Hormon), das gemeinsam mit dem LH-Hormon für die Follikelreifung und Östrogenbildung zuständig ist. Desweiteren führt man mithilfe einer transvaginalen Ultraschalluntersuchung die Follikelzählung durch, man stellt also die Anzahl der Antralfollikel fest, die in beiden Eierstöcken vorhanden ist. Den Ultraschall führt man in der Regel in den ersten fünf Zyklustagen durchgeführt. Bei über 10 Follikeln spricht man von einem normalen ovariellen Reserve, bei 12 oder mehr Follikeln von einer guten und bei unter sechs Follikeln von einer niedrigen ovariellen Reserve.

Dr. Katharina Spies ist Gynäkologin und Spezialistin für Reproduktionsmedizin.

Nach dem Studium an der Albert-Ludwigs-Universität in Freiburg und der Universidad Complutense in Madrid promovierte sie in Neurologie im Bereich „Motorisches Lernen und Genetik“ an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. Seit 2007 lebt sie mit ihrem spanischen Mann in Madrid, wo sie am Universitätskrankenhaus Fuenlabrada die Ausbildung zur Fachärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe machte.
Seit 2017 arbeitet sie als Spezialistin für Reproduktionsmedizin bei ProcreaTec.

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