Fragen zur männlichen Fertilität

Wie beeinflusst das Übergewicht die Samenqualität?

Wie beeinflusst das Übergewicht die Samenqualität?

Wie beeinflusst das Übergewicht die Samenqualität?

Wie so oft konzentriert man sich beim Thema Kinderwunsch und Übergewicht vor allem auf
die Frau. Neueste Studien zeigen allerdings, dass Kinder von übergewichtigen Vätern eher zu
Übergewicht und Fettleibigkeit neigen als Kinder von Männer mit normalem Körpergewicht.
Das Übergewicht hat zwar vermutlich keine direkten Auswirkungen auf die Gene, aber jedoch
darauf, wie diese gelesen und in Proteine übersetzt werden. Es handelt es sich hierbei um den
Einfluss der sogenannten Epigenetik, einen Bereich der Biologie, der Auswirkungen auf die
Expression von Genen beschreibt, ohne dass dabei die Gensequenz an sich verändert wird. Es
geht also beispielsweise darum, warum manche Gene aktiviert werden und andere wiederum
nicht.

Einige neuere Studien zeigen, dass die Spermien nicht nur das Erbgut, sondern auch
Informationen über den gesamten Gesundheitszustand des Mannes enthalten, der Einfluss auf
die Epigenetik haben kann. Diese Informationen, wie beispielsweise das Übergewicht des
Mannes, können zusammen mit seinem Erbgut an die Nachkommen weitergegeben werden
und somit Einfluss auf dessen Genetik haben. Obwohl diese Erkenntnisse erst noch durch
weitere, gezielte Untersuchungen bestätigt werden müssen, ist es empfehlenswert, dass sich
nicht nur Frauen, sondern auch Männer, vor der geplanten Vaterschaft um ihren allgemeinen
Gesundheitszustand kümmern.

Worin besteht die Aufgabe der Epigenetik?

Obwohl es weitgehend bekannt ist, wie wichtig die Genetik in unserem Leben ist, wissen die
meisten wenig oder gar nichts bezüglich der Epigenetik. Nichtsdestotrotz sidn die Einflüsse der
Epigenetik genauso wichtig wie die der Genetik, wenn sogar nicht wichtiger. Die folgende
Aussage des englischen Biologen Peter Medawar bringt die Bedeutung der Epigenetik auf den
Punkt: „Genetics proposes, epigenetics disposes“. Die Genetik gibt zwar den allgemeinen
Rahmen vor, die Epigenetik ist aber entscheidend dafür, ob und welche Gene aktiviert oder
ausgeschaltet werden. Genauer gesagt setzt sich die Epigenetik mit der Frage auseinander,
warum aus dem gesamten Erbgut des Menschen, das aus etwa 20.000 Genen besteht, nur ein
kleiner Teil dieser Gene aktiv ist und der andere so lange inaktiv bleibt, bis externe Faktoren,
wie zum Beispiel ungesunde Ernährung, sie aktiviert. Im Falle der ungesunden Ernährung sind
das Übergewicht und die Fettleibigkeit die Manifestation der Aktivierung entsprechender
Gene.

Studie der Universität Kopenhagen

In der genannten Studie der Universität von Kopenhagen wurde das Erbgut von 23 über- und
normalgewichtigen Männern im Alter von 20 bis 40 Jahren untersucht. Im Laufe der Studie
wurden epigenetische Unterschiede, also Veränderungen am Erbgut, die nicht auf
Veränderungen der Gensequenz beruhen, zwischen diesen zwei Gruppen festgestellt.

Anschließend untersuchte man Spermienproben von sechs Probanden, die sich einer
Magenverkleinerung unterzogen haben. Es wurden etwa 5.000 epigenetische Veränderungen
festgestellt: in der Zeit vor, unmittelbar nach der Operation und ein Jahr nach dem Eingriff.

Künstliche heterologe Insemination

Die Epigenetik bei der Eizellspende

Man kann also sagen, dass externe Faktoren wie Ernährung oder Sport darüber bestimmen, ob
bestimmte Gene aktiviert oder desaktiviert werden oder nicht. Das Gleiche trifft auf die
Entwicklung eines Embryos zu, der mithilfe eine gespendeten Eizelle entstanden ist. Der
Embryo trägt zwar ein bestimmtes Erbgut in sich – also das Erbgut der Spenderin – es ist aber
sehr viel mehr erforderlich, damit sich aus einem Embryo ein Baby entwickelt. Die Ernährung
und der allgemeine Lebensstil der Frau während der Schwangerschaft haben darauf einen sehr
groβen Einfluss.

Nach der Geburt hängt die Entwicklung des Kindes vor allem davon ab, in welchem Umfeld es
aufwächst und welche Vorbilder es vor Augen hat. Die Mimik, die Art zu sprechen oder
verschiedene Verhaltensmuster lernt das Kind von den Eltern und von anderen Personen aus
seiner Umgebung. Ob bestimmte Gene aktiviert werden oder verborgen bleiben, hängt in
groβem Umfang davon ab, welchen externen Faktoren das Kind im Laufe seines Lebens
ausgesetzt ist und welchen Lebensstil es für sich als Erwachsener auswählt.

Abschließend kann man sagen, dass die grundlegende Rolle der Epigenetik darin besteht, die
Erfahrung der Eltern auf dem genetischen Niveau an die Kinder weiterzugeben. Da es sich
aber dabei sowohl um positive – z.B. Überlebensstrategien bei Tieren – als auch um negative –
das Übergewicht oder die Fettleibigkeit der Eltern – Einflüsse handeln kann, sollte man den
eigenen Lebensstill vor der geplanten Mutter- bzw. Vaterschaft überdenken.

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Dr. Katharina Spies ist Gynäkologin und Spezialistin für Reproduktionsmedizin.

Nach dem Studium an der Albert-Ludwigs-Universität in Freiburg und der Universidad Complutense in Madrid promovierte sie in Neurologie im Bereich „Motorisches Lernen und Genetik“ an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. Seit 2007 lebt sie mit ihrem spanischen Mann in Madrid, wo sie am Universitätskrankenhaus Fuenlabrada die Ausbildung zur Fachärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe machte.
Seit 2017 arbeitet sie als Spezialistin für Reproduktionsmedizin bei ProcreaTec.

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