Fragen zur männlichen Fertilität

Was ist der DNA-Fragmentations-Test?

Was-ist-der-DNA-Fragmentations-Test

Was ist der DNA Fragmentations-Test der Spermienzellen?

Der DNA Fragmentations-Test der Spermienzellen untersucht die Menge geschädigter Samenzellen in einem Seminogramm. Er wird nur in bestimmten Fällen empfohlen.

Als vor etwa 20 Jahren die ICSI-Technik (Intrazytoplasmatische Spermien-Injektion), bei der ein Spermatozoid direkt in die Eizelle eingeführt wird, zur Routine wurde, dachten viele Wissenschaftler, dass das Problem der männlichen Unfruchtbarkeit damit aus der Welt geschafft wurde. Die Aufmerksamkeit wurde nun an die weibliche Unfruchtbarkeit gerichtet und der männliche Faktor wurde komplett beiseite geschoben. Manche Fachleute glauben deshalb, dass das Wissen über die männliche Unfruchtbarkeit dem Wissen über die weibliche Unfruchtbarkeit weit unterliegt.

In den letzten 10 Jahren wurde begonnen, dem Studium der männlichen Unfruchtbarkeit erneut mehr Aufmerksamkeit zu schenken. Einer der Tests, die zur Untersuchung der Spermaqualität eingesetzt werden, ist die Analyse der DNA-Fragmentierung. Diese ist allerdings nicht für jeden Patienten zu empfehlen. Das Verständnis der Spermastruktur auf molekularem Niveau ist dann von Interesse, wenn trotz des Transfers morfologisch hochwertiger Embryonen keine Schwangerschaft erreicht wurde oder wenn die Befruchtung der Eizellen einer Frau mit geprüfter Fruchtbarkeit mit nicht testiertem Samen durchgeführt wurde und die Embryonen das Blastozystenstadium nicht erreichten. In diesen Fällen ist eine tiefere Analyse der Spermienzellen erforderlich.

Die genetische Integrität vom Samen ist von fundamentaler Bedeutung für eine erfolgreiche Eizellbefruchtung. Das DNA-Molekül ist wie eine Doppelhelix aufgebaut, die aus zwei sich umwindenden DNA-Einzelsträngen besteht, die man sich zur Vereinfachung als eine gedrehte Leiter vorstellen kann. Wenn einzelne Balken dieser Leiter beschädigt sind, heißt es, dass die DNA fragmentiert ist. Wenn die Leiter an mehreren Stellen beschädigt ist, ist der Prozentsatz der DNA-Fragmentierung hoch. Übersteigt die Fragmentierung 30%, wird dadurch die Wahrscheinlichkeit einer erfolgreichen Befruchtung, der Entwicklung eines gesunden Embryos und die Einnistung in die Gebärmutter drastisch reduziert. Liegt dieser Prozentsatz unter 15%, wird der Samen als normal eingestuft. Bei einer DNA Fragmentation zwischen 16%-29% wird die Qualität des Samens als mäßig betrachtet.

Es muss erwähnt werden, dass eine gewöhnliche Spermaanalyse Kriterien wie Konzentration, Mobilität und Morfologie der Spermienzellen, nicht aber die Fragmentation untersucht. Aus diesem Grund müssen zusätzliche Untersuchungen durchgeführt werden, wenn das Ergebnis anders ausfällt als erwartet.

Wie aber kommt es zur Beschädigung des Samens?

Obwohl nicht alle Gründe dafür bekannt sind, weiß man inzwischen, dass Bestrahlung, Varikozele oder die Aussetzung gegenüber chemischer oder toxischer Substanzen nicht gut für die Hoden sind. Außerdem gibt es andere schädliche Faktoren, wie Rauchen, Alkohol und das Alter. Ja, Sie haben richtig gelesen, das Alter. Trotz des weit verbreiteten Glaubens, dass männliche Fruchtbarkeit beinahe bis zu ihrem siebzigsten Lebensjahr anhält, wird es immer deutlicher, dass das Alter des Mannes eine entscheidende Rolle für den Erfolg der Befruchtung und die Entwicklung eines gesunden Kindes spielt.

Künstliche heterologe Insemination

In jüngster Zeit wurde eine Vielzeit an Publikationen veröffentlicht, die die männliche Fruchtbarkeit zum Gegenstand hatten. Es zeigte sich, unter anderem in einer Metaanalyse von Cho et al (1), dass die DNA Fragmentation eine entscheidende Rolle für die männliche Unfruchtbarkeit spielt.

Eine hohe DNA Fragmentierung der Samenzellen kann nicht behoben werden, es gibt aber Maßnahmen, die einen positiven Einfluss auf die Qualität des Samens haben können, wie z.B. ein gesunder Lebensstil, der Verzicht auf Tabak und Alkohol, Gewichtsreduktion oder die Einnahme von Antioxidantien. Die Untersuchung der DNA Fragmentation der Spermien kann Antworten darauf geben, warum nur Embryonen von mäßiger oder geringer Qualität entstanden sind oder warum sie sich nicht eingenistet haben. Nach mehreren erfolglosen Versuchen kann die Option des Spendersamens in Betracht gezogen werden.

Quellen:

1-Role of sperm DNA fragmentation in male factor infertility: A systematic review.

Cho CL, Agarwal A.

Arab J Urol. 2017 Dec 6;16(1):21-34. doi: 10.1016/j.aju.2017.11.00

Kommentar hinzufügen

Klicken SIe hier um ein Kommentar zu schreiben

Dr. Katharina Spies ist Gynäkologin und Spezialistin für Reproduktionsmedizin.

Nach dem Studium an der Albert-Ludwigs-Universität in Freiburg und der Universidad Complutense in Madrid promovierte sie in Neurologie im Bereich „Motorisches Lernen und Genetik“ an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. Seit 2007 lebt sie mit ihrem spanischen Mann in Madrid, wo sie am Universitätskrankenhaus Fuenlabrada die Ausbildung zur Fachärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe machte.
Seit 2017 arbeitet sie als Spezialistin für Reproduktionsmedizin bei ProcreaTec.

Kontak






Ich habe die Datenschutzerklärung gelesen und bin damit einverstanden POLITIK der PRIVATSPHÄRE

Pin It on Pinterest

Share This