Umweltverschmutzung
Fragen zur männlichen Fertilität Fragen zur weiblichen Fertilität

Umweltverschmutzung und Fruchtbarkeit

Umweltverschmutzung und Fruchtbarkeit

 

Verschiedenen Faktoren, die mit der Umweltverschmutzung in Verbindung stehen, beeinträchtigen vermutlich sowohl die weibliche als auch die männliche Fruchtbarkeit. Laut Angaben der Weltgesundheitsorganisation leiden etwa 15% der Weltbevölkerung an Fertilitätsproblemen, welche sowohl Männer als auch Frauen gleichermaßen betreffen.

Obwohl die Reproduktionsmedizin alles dafür tut, um Lösungen für diese Probleme zu finden und die Unfruchtbarkeit zu umgehen oder zu behandeln, haben wir immer wieder hervor, wir wichtig es für unsere Patienten ist, sich gut zu ernähren und auf einen gesunden Lebensstil zu achten.

Im heutigen Artikel möchte ich näher auf einige dieser negativen Faktoren eingehen.

 

Endokrine Disruptoren

 

Als endokrine Disruptoren, auch genannt Xenohormone bzw. Umwelthormone, bezeichnet man Stoffe, die von außen in den Körper gelangen und bereits in kleinen Mengen die Gesundheit durch die Veränderung des Hormonsystems beeinträchtigen können. Die hormonaktiven Substanzen stehen nicht nur mit der Unfruchtbarkeit im Zusammenhang, sondern auch mit anderen Erkrankungen wie Diabetes, Schilddrüsen- und Herzkrankheiten.

 

Feinstaub

 

Eine andere Bedrohung für die menschliche Fruchtbarkeit stellt der sogenannte Feibstaub (PM2,5) dar. Dieser Staub stammt unter anderem,aus Industrieemissionen, Wärmekraftwerken und Verbrennungsanlagen. Der Feinstaub dringt tief in die Lunge ein und gelangt anschließend in den Blutkreislauf. Einmal im Blutkreislauf, kann der Feinstaub das endokrine System verändern, das für die Kommunikation zwischen verschiedenen Organen durch Hormone verantwortlich ist.

Der Einfluss dieser Schadstoffe ist weitreichender, als uns bewusst ist: Herz-Kreislauf- und Atemwegserkrankungen, Krebs, aber auch die Reduzierung der Anzahl und der Qualität von Samenzellen. Die Beeinträchtigung von Spermienqualität und – quantität kann entweder die Folge einer unmittelbaren Schädigung der Hoden sein oder der Des- bzw. Aktivierung von Genen, die ihre Funktion regulieren.

 

Luftverschmutzung und weibliche Fruchtbarkeit

 

Die ovarielle Reserve, also die Anzahl der Antralfollikel in jedem Eierstock, wird vermutlich ebenfalls durch die Konsequenzen der Umweltverschmutzung beeinflusst. Nicht nur Chemikalien sondern auch verschiedene Bestandteile der täglichen Ernährung verändern die Funktionsweise von Hormonen, indem sie deren Biosynthese, Signalgebung und Stoffwechsel beeinflussen. Unter anderem kann dadurch das Anti-Müller-Hormon betroffen sein, das von den Granulosazellen in den Eierstöcken produziert und in der Reproduktionsmedizin als zuverlässiger Marker der weiblichen Fruchtbarkeit betrachtet wird.

Der negative Einfluss auf die weibliche Fruchtbarkeit geht also über die altbekannten Faktoren wie beispielsweise das Alter, genetische Faktoren oder Verhaltensweisen, wie z.B. das Rauchen, hinaus.

 

Die Liste möglicher negativer Einflüsse auf die menschliche Fruchtbarkeit kann leider unendlich fortgesetzt werden und ist zudem noch nicht ausreichend erforscht. Viele dieser Umstände können wir nicht ändern, andere aber durchaus. Generell sind Faktoren wir das Alter, ein normaler Body-Mass-Index und eine gesunde Lebensweise grundlegend für eine normale  reproduktive Gesundheit. Wer seine Gesundheit pflegt, Kinder aber erst später haben möchte, sollte die Möglichkeit, Eizellen oder Samenzellen einfrieren zu lassen („social freezing“), ernsthaft in Betracht ziehen. Wir haben viel mehr in der Hand, als uns bewusst ist.

 

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Dr. Katharina Spies ist Gynäkologin und Spezialistin für Reproduktionsmedizin.

Nach dem Studium an der Albert-Ludwigs-Universität in Freiburg und der Universidad Complutense in Madrid promovierte sie in Neurologie im Bereich „Motorisches Lernen und Genetik“ an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. Seit 2007 lebt sie mit ihrem spanischen Mann in Madrid, wo sie am Universitätskrankenhaus Fuenlabrada die Ausbildung zur Fachärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe machte.
Seit 2017 arbeitet sie als Spezialistin für Reproduktionsmedizin bei ProcreaTec.

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