Fragen zur männlichen Fertilität

Frischer Samen oder eingefrorener Samen?

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Frischer Samen oder eingefrorener Samen?

Eingefrorener oder frischer Samen: was ist besser für meine Kinderwunsch-Behandlung?

Obwohl die Spermienzellen während der Vitrifizierung beschädigt werden, berichten die meisten Forschungsgruppen ähnlich hohe Schwangerschaftsraten bei der Verwendung von frischem und eingefrorenem Samen.

Eine der häufigsten Fragen unserer Patienten ist, ob bei einerKinderwunsch-Behandlung frischer oder eingefrorener Samen verwendet werden sollte. Meistens ist dies eher eine logistische Entscheidung oder eine Empfehlung als eine medizinische Indikation.

Die Diskussion über die Verwendung von frischem oder eingefrorenem Samen für eine Kinderwunsch-Behandlung besteht seit über 30 Jahren. Durch die Verwendung der ICSI-Technik kann möglicherweise das Problem, das beim Einfrieren der Samenzellen besteht, überwunden werden. Es gibt viele Studien, die zeigen, dass die Schwangerschaftsraten bei Verwendung von frischem und eingefrorenem Samen ähnlich sind. Wo also liegt das Problem?

Generell sind die Biologen der Meinung, dass die Samenprobe eingefroren werden kann, wenn sie von guter Qualität ist. Ist die Qualität allerdings nicht optimal, ist es besser, die Probe am Tag der Punktion abzugeben und frischen Samen zu verweden.

Andererseits gibt es Biologen, die die Stellung vertreten, immer frische Samenproben zu bevorzugen… Was ist nun richtig?

Die Vitrifizierung kann die Beweglichkeit von Spermatozoiden beeinträchtigen und den Fragmentationindex erhöhen. Nicht alle Spermienzellen sind davon betroffen, es werden jedoch nach dem Auftauen immer weniger Spermienzellen vorliegen als in der frischen Probe, da nicht alle den Prozess des Einfrieren und Auftauens überleben.

Künstliche heterologe Insemination

In einer vor kurzem von Amor et al (1) im Journal Andrologia veröffentlichten Studie wurden Kriterien bezüglich der Stabilität von Kern- und mitochondrialer DNA vor und nach der Vitrifizierung berurteilt. Die Forscher stellten fest, dass das Einfrieren nicht nur die generellen Eigenschaften der Spermienzellen (Anzahl, Beweglichkeit, Morphologie), sondern auch die DNA im Zellkern und in den Mitochondrien beeinträchtigt. Der Zellkern enthält die die genetische Information der Zelle und die Hauptfunktion der Mitochondrien ist die Erzeugung von Energie, die für den Metabolismus der Zellen entscheidend ist. Werden diese Strukturen durch die Einfrierung beschädigt, kann die Befruchtungskapazität der Spermien abnehmen.

Beim guten Samen ist alles einfach: er kann problemlos eingefroren werden. Beim Samen von niedriger Qualität wird von der Einfrierung abgeraten, da dadurch die Chancen einer erfolgreichen Befruchtung reduziert werden. In diesem Fall wird empfohlen, frischen Samen zu verwenden.

Die Einfrierung von Sperma wird beispielsweise dann empfohlen, wenn der Mann am Tag der Punktion zu sehr unter Druck steht und nicht ejakulieren kann. Um dies zu vermeiden, kann im Vorfeld eine Samenprobe eingefroren werden. Wenn es dann am Tag der Punktion nicht klappen sollte, kann immer auf die eingefrorene Probe zurückgegriffen werden.

Das Einfrieren von Sperma ist auch dann praktisch, wenn der Mann viel auf Reisen ist. Falls es dann am Tag der Punktion der Patientin oder der Spenderin für den Partner aufgrund einer Geschäftsreise und Ausbuchung des Fluges unmöglich ist zu kommen, wird die eingefrorene Samenprobe verwendet. Das macht die Behandlung einfacher und reduziert den damit zusammenhängenden Stress für die Patienten.

Als Spezialistin in diesem Fachbereich denke ich, dass die Einfrierug von Sperma, ungeachtet dessen Qualität, eine gute Möglichkeit zur Absicherung der Behandlung ist. Nichtsdestotrotz ist die Abgabe einer frischen Samenprobe am Tag der Punktion die bessere Option.

References

Quellen:

  1. Relationship between nuclear DNA fragmentation, mitochondrial DNA damage and standard sperm parameters in spermatozoa of fertile and sub‐fertile men before and after freeze‐thawing procedure. Amor H, Zeyed A, Alkhaled Y, Laqqan, Saad A, Ben Ali H, Hammadeh ME. Andrologia 12 March 2018. https://doi.org/10.1111/and.12998

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Dr. Katharina Spies ist Gynäkologin und Spezialistin für Reproduktionsmedizin.

Nach dem Studium an der Albert-Ludwigs-Universität in Freiburg und der Universidad Complutense in Madrid promovierte sie in Neurologie im Bereich „Motorisches Lernen und Genetik“ an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. Seit 2007 lebt sie mit ihrem spanischen Mann in Madrid, wo sie am Universitätskrankenhaus Fuenlabrada die Ausbildung zur Fachärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe machte.
Seit 2017 arbeitet sie als Spezialistin für Reproduktionsmedizin bei ProcreaTec.

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