Fragen zur männlichen Fertilität Fragen zur weiblichen Fertilität

Fertilitätsbehandlungen für gleichgeschlechtliche Paare

In Spanien werden gleichgeschlechtliche Paare, die eine Familie gründen wollen, seit Langem behandelt. In meiner persönlichen Erfahrung hatte ich bereits viele Gelegenheiten, homosexuellen Paaren zu ihrem Familienglück zu verhelfen und bin davon überzeugt, dass jeder, der einem Kind eine liebevolle und fürsorgliche Familie geben kann, eine Gelegenheit dazu haben sollte. Nichtsdestotrotz unterscheiden sich die Probleme  vor allem schwuler Paare stark von denen, mit denen sich die sogenannten traditionellen Familienmodelle konfrontiert sehen. Ein Paar mit unerfülltem Kinderwunsch muss sich meistens nicht nur mit emotionalen sondern auch mit, vorher ungeahnten, rechtlichen Problemen auseinandersetzen, denn nicht in allen Ländern haben gleichgeschlechtliche Paare Zugang zur Reproduktionsmedizin und nicht im gleichen Umfang.

Im heutigen Artikel werde ich allgemein auf die existierenden Behandlungenmethoden für homosexuelle Paare eingehen, wobei angemerkt werden soll, dass sich die rechtliche Lage von Land zu Land unterscheidet. Das hat zur Folge, dass man die Behandlung oft nicht im eigenen Land machen kann und sich dazu gezwungen sieht, diese im Ausland durchführen zu lassen.

 

Behandlungsoptionen für lesbische Frauen

 

Eine künstliche Befruchtung mit Spendersamen ist wahrscheinlich die bekannteste, jedoch nicht die erfolgreicheste Behandlungsmethode in der Reproduktionsmedizin. Dabei wird der Samen eines – je nach Land – anonymen oder bekannten Spenders in die Gebärmutter der Patientin eingeführt. Der Zeitpunkt der Prozedur wird sorgfältig durch wiederholte Ultraschalluntersuchungen bestimmt und kann durch eine leichte hormonelle Stimulation begleitet werden, um die Schwangerschaftschancen maximal zu erhöhen. Die Erfolgsrate dieser Behandlungsmethode liegt, abhängig von verschiedenen patientenabhängigen Faktoren, bei etwa 15-25% und wird daher nur Patienten empfohlen, die die besten Vorraussetzungen dafür erfüllen.

Der zweite Schritt möglicher Behandlungen ist die In Vitro – Fertilisation (IVF). Diese wird empfohlen, wenn bereits mehrere Insemination erfolglos durchgeführt wurden, bei fortgeschrittenem Alter der Patientin, niedriger Eizellqualität oder auch direkt auf Wunsch der Patientin. Im Vergleich zur Künstlichen Insemination sidndie Chancen, somit schwanger zu werden, mit 50-70% deutlich besser. Bei der IVF werden die Eierstöcke einer Frau in der ersten Phase des Zykluses zunächst hormonell, meist mit Spritzen, stimuliert, um das Wachstum mehrerer Follikel anzuregen. Die darin enthaltenen Eizellen werden anschließend um den Zeitpunkt des (programmierten) Eisprungs von vaginal her entnommen und im Labor mit Spendersamen befruchtet. Die enthaltenen Embryonen entwicklen sich im Labor etwa drei bis fünf Tage lang. Im Anschluss werden ein oder zwei Embryonen in die Gebärmutter der Patientin eingesetzt. Die übrigen lebensfähigen Embryonen werden am Tag fünf vitrifiziert und können in einem nächsten Zyklus verwendet werden.

Befindet sich die Patientin in gleichgeschlechtlichen Partnerschaft, gibt es die Möglichkeit, dass beide Frauen am Behandlungsprozess teilnehmen. Bei der sogenannten ROPA-Methode ist eine der Partnerinnen die „Spenderin“, deren Eierstöcke stimuliert und Eizellen anschlieβend entnommen werden. Die andere Partnerin dient als „Empfängerin“. Ihr werden ein oder zwei Embryonen in die Gebärmutter eingesetzt. Beide Teile der Behandlung finden – meist nach Synchronisation der Zyklen, z.B. durch Einnahme der Anti-Baby-Pille, gleichzeitig statt, sodass in der Regel Embryonen im frischen Zustand transferiert werden. In der Regel wird empfohlen, dass die Partnerin mit einer besseren Eizellreserve und –qualität als Spenderin dient, letzendlich entscheiden jedoch die Patientinnen.

 

Behandlungsoptionen für schwule Männer

 

Für schwule Paare gibt es die Option der Leihmutterschaft, wobei zwei Arten unterschieden werden: die tradionelle und die sogenannte Leihmutterschaft für Träger der Schwangerschaft.

Bei traditioneller Leihmutterschaft erreicht man die Schwangerschaft durch die intrauterine künstliche Befruchtung (Insemination) einer Frau – der sogenannten Leihmutter -, wobei der Samen eines Partners oder eine Kombination der Spermien beider Partner verwendet werden können.

Bei der sogenannten Leihmutterschaft für Träger der Schwangerschaft wird eine Frau – genannt die Schwangerschaftsträgerin – mit einem Embryo schwanger, der aus den Eizellen einer anderen Frau und den Samenzellen eines der Partner im Labor entstanden ist. Es besteht somit keine genetische Verwandschaft zwischen der Schwangerschaftsträgerin und dem Kind.

Da die Leihmutterschaft in vielen Ländern verboten ist, sollte man sich zunächst ausführlich über die legalen Aspekte informieren und sich unter Umständen an eine Klinik im Ausland wenden.

 

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Spanische Reproduktionsmedizin

Dr. Katharina Spies ist Gynäkologin und Spezialistin für Reproduktionsmedizin.

Nach dem Studium an der Albert-Ludwigs-Universität in Freiburg und der Universidad Complutense in Madrid promovierte sie in Neurologie im Bereich „Motorisches Lernen und Genetik“ an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. Seit 2007 lebt sie mit ihrem spanischen Mann in Madrid, wo sie am Universitätskrankenhaus Fuenlabrada die Ausbildung zur Fachärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe machte.
Seit 2017 arbeitet sie als Spezialistin für Reproduktionsmedizin bei ProcreaTec.

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