Fragen zur männlichen Fertilität Fragen zur weiblichen Fertilität

Fertilität bei Transgender-Personen

Fertilität bei Transgender Personen

Fertilität bei Transgender-Personen

 

Die Weltgesundheitsorganisation definiert reproduktive und sexuelle Gesundheit als nicht nur das körperliche, sondern auch als das emotionale, mentale und soziale Wohlbefinden. Über die eigene Sexualität frei zu entscheiden und zu bestimmen, ob, wann und mit wem man Kinder haben möchte, ist ein wichtiges Menschenrecht. Dazu gehört das Recht, die Leistungen der Reproduktionsmedizin in Anspruch zu nehmen, um sich fortzupflanzen, wenn das auf einem anderen Weg nicht möglich ist.

 

Unfruchtbarkeit bei Transgender-Personen

 

Wie jede Medikamenteneinnahme, die über einen längeren Zeitraum erfolgt, kann eine Hormontherapie zur Geschlechtsanpassung gesundheitsschädlch sein. Infertilität oder Sterilität können mögliche Folgen sein. Aus diesem Grund ist es wichtig, sich vor Beginn einer längeren Hormonbehandlung mit dem persönlichen Kinderwunsch auseinanderzusetzen und zu entscheiden, ob man eventuell die eigenen Keimzellen (also Ei- oder Samenzellen) einfrieren lassen möchte.

 

Hormontherapie

 

Das Ziel einer Hormontherapie ist die Unterdrückung der unerwünschten sekundären Geschlechtsmerkmale des biologischen Geschlechts und die Ausbildung der Geschlechtsmerkmale des gewünschten, von der betroffenen Person als wahr empfundenen Geschlechts. Vor Beginn der Therapie wird in der Regel ein aktueller Hormonstatus bestimmt und ein umfassendes prätherapeutisches Screening auf eventuelle Risikofaktoren durchgeführt.

 

Bei Trans Männern findet die sogenannte androgene Therapie statt, die zunächst mit einer niedrigen Dosis beginnt und bei guter Verträglichkeit allmählich erhöht wird. Die intramuskuläre Testosteronverabreichung kann nicht nur die ovarielle Reserve, also die Anzahl der vorhandenen Eizellen, sondern auch ihre Qualität beeinträchtigen, wodurch die Reproduktionsmöglichkeiten der betroffenen Person deutlich reduziert werden können. Obwohl es theoretisch möglich ist, nach Abschluss der Hormontherapie einige Eizellen zu gewinnen, besteht die Möglichkeit, dass ihre Anzahl und Qualität nicht ausreichend sind, um schwanger zu werden. Wenn außerdem nach Abschluss der Hormontherapie zu einer geschlechtsangleichenden Operation übergangen wird, wie z.B. die Entfernung der Eierstöcke, produziert der Körper keine Eizellen mehr.

Aus diesem Grund empfehle ich ausdrücklich, sich vor Beginn der Hormontherapie zur Geschlechtsanpassung von einem Spezialisten für Reproduktionsmedizin beraten zu lassen und mögliche Optionen zur Bewahrung der eigenen Fruchtbarkeit in Betracht zu ziehen.

Für geschlechtsreife Patienten gibt es folgende Optionen:

 

Einfrieren von Eizellen  

 

Vitrifizierte Eizellen können viele Jahre lang aufbewahrt werden, ohne dass ihre Qualität sich davon betroffen sieht. Zur Eizellgewinnung unterzieht man sich einer gesteuerten Stimulation der Eierstöcke im Laufe von etwa 10-12 Tagen, wobei alle 2 bis 3 Tag Ultraschalle durchgeführt werden, um das Wachstum der vorhandenen Follikel zu kontrollieren und die Medikamentendosis, wenn nötig, anzupassen. Das Ziel dabei ist, so viele Eizellen wie möglich zu gewinnen. Sobald die Follikel gut gewachsen sind, programiert man die Entnahme der Eizellen. Die entnommen reifen Eizellen werden anschlieβedn vitrifiziert.

 

Einfrieren von Embryonen

 

Möchte man einen Schritt weitergehen, können die gewonnenen Eizellen mit Partner- oder Spendersamen befruchtet werden. Anschließend entwickeln sich die Embryonen 5 bis 6 Tage im Labor, bis sie mit etwa 200-250 Zellen das Blastozystenstadium erreichen und eingefroren werden können.

Diese Embryonen können in Zukunft zu einem Trans Mann mit Gebärmutter transferiert werden bzw. seiner Partnerin, wenn es sich dabei um eine Cis-Frau handelt.

Die Möglichkeit, Embryonen im Blastozystenstadium einfrieren zu lassen, ist abhängig von der gültigen Gesetzgebung in den verschiedenen Ländern.

 

Kryokonservierung von Ovarialgewebe

 

Diese Technik ist besonders in zwei Fällen interessant: bei Patienten vor Beginn der Pubertät und für diejenige, die die Nebenwirkungen einer hormonellen Stimulation der Eierstöcke vermeiden wollen. Das gewonnene Ovarialgewerbe wird eingefroren und bei Bedarf in der Zukunft wieder eingepflanzt. Auf diese Weise kann später versucht werden, auf natürlichem Weg schwanger zu werden oder, wie oben beschrieben, durch hormonelle Stimulation Eizellen zu gewinnen – je nachdem, welche geschlechtsangleichenden Operationen vorgenommen wurden.

Bei der Kryokonservierung von Ovarialgewebe handelt es sich allerdings noch um eine experimentelle Technik.

 

Hormontherapie bei Trans Frauen

 

Die geschlechtsangleichende Hormontherapie bei Trans Frauen erfolgt durch die Zugabe von Estradiol, entweder oral als Tabletten oder transdermal in Form von Pflaster- oder Gellaplikationen, wodurch die Hodenfunktion und – morphologie direkt beeinflusst werden.  Sowohl die Spermatogenese, also die Bildung neuer Spermien, als auch die Menge und Beweglichkeit von Spermien werden dadurch beeinträchtigt.

 

Das Einfrieren von Spermien, die sowohl natürlich als auch durch eine Hodenbiopsie gewonnen werden können, ist eine einfache Technik zur Erhaltung von männlichen Geschlechtszellen. Auch in diesem Fall ist es – sofern es die entsprechende Gesetzeslage erlaubt –  möglich, einen Schritt weiterzugehen und Eizellen der Partnerin oder einer Spenderin befruchten zu lassen und die daraus resultierenden Embryonen zu vitrifizieren. Im Hinblick auf eine zukünftige Schwangerschaft gäbe es zwei Optionen: die Leihmutterschaft – eine in vielen Ländern verbotene Reproduktionstechnik – oder eine Gebärmuttertransplantation, eine experimentelle und ebenfalls nicht überall zugelassene Technik, die bereits einige Erfolge zu verzeichnen hat.

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Dr. Katharina Spies ist Gynäkologin und Spezialistin für Reproduktionsmedizin.

Nach dem Studium an der Albert-Ludwigs-Universität in Freiburg und der Universidad Complutense in Madrid promovierte sie in Neurologie im Bereich „Motorisches Lernen und Genetik“ an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. Seit 2007 lebt sie mit ihrem spanischen Mann in Madrid, wo sie am Universitätskrankenhaus Fuenlabrada die Ausbildung zur Fachärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe machte.
Seit 2017 arbeitet sie als Spezialistin für Reproduktionsmedizin bei ProcreaTec.

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