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Welche Motivation haben unsere Spenderinnen? | Eizellspende bei PROCREATEC

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Eizellspende bei PROCREATEC: welche Motivation haben unsere Spenderinnen?

Spanien ist Spitzenreiter für Eizellspende in ganz Europa. In diesem Artikel werde ich die Beweggründe der Eizellspenderinnen in Spanien und in ProcreaTec erläutern.

Wenn eine potenzielle Spenderin zu uns kommt fragen wir zuallererst nach den Beweggründen für eine möglich Spende. Die Antworten darauf sind sehr unterschiedlich und reichen von „Meine Schwester hat gespendet und jetzt will ich auch“ bis „Ich wollte freiwillig etwas gutes tun und kam auf die Idee, Eizellen zu spenden“. Die häufigste Antwort ist allerdings: „Ich habe bereits zwei Kinder und will keine weiteren mehr, deswegen möchte ich die Eizellen, die ich selbst nicht mehr brauche, spenden und damit anderen Menschen helfen“.

Bei ProcreaTec, und generell in Spanien, haben wir viele Spenderinnen. Oft werden spanische Kinderwunschzentren vom Ausland aus kritisiert, da sie viele Behandlungen mit gespendeten Eizellen anbieten. Wir werden beispielsweise beschuldigt, Frauen zur Eizellspende zu drängen oder unmoralische Werbekampagnen zu starten. Wann immer meine ausländischen Kollegen auf das Thema Eizellspende zu sprechen kommen, erzähle ich Ihnen von drei Dingen, die in keinem Zeitungsartikel, Buch oder ethischer Debatte zu finden sind:

Am Anfang der 80-er Jahre hat Spanien ein Pilotprogramm in Eizellspende gestartet. Zu dieser Zeit war es das progressivste Eizellspendeprogramm weltweit, das im Nachhinein als Grundmodel von anderen Ländern benutzt wurde. In dieses Projekt wurde damals nicht nur sehr viel Geld und Arbeit investiert. Von Anfang bis zum Ende stand es im Mittelpunkt der Medienberichterstattung.

Künstliche heterologe Insemination

Das nationale spanische Fernsehen berichtete ununterbrochen von Kindern, die dringend eine lebenswichtige Organtransplantation brauchten. Die Bedeutung der Organspende war in aller Munde.

Das Thema der Eizell- und Samenspende stand ebenso lange Zeit im Mittelpunkt der öffentlichen Aufmerksamkeit. Man erkannte nun die Wichtigkeit der Spendereizelle für eine Frau, die keine Kinder mit eigenen Eizellen haben kann und sonst kinderlos bleiben würde. Die spanische Gesellschaft hat das Thema der Eizellspende seitdem präsent vor Augen, ist sich deren Bedeutung bewusst und man sieht es viel gelassener als in anderen Ländern.

Wie wir alle, sind Spanier nicht perfekt und haben ihre eigenen Mackel. Was man ihnen aber nicht nehmen kann, ist die absolute Solidarität mit Mitmenschen in kritischen Situationen. Das ist ein wichtiger Teil der spanischen Kultur.

In Spanien geht man zu Taufen, Hochzeiten oder Beerdingungen selbst wenn man sich zuvor jahrelang nicht gesehen hat. Wenn es jemandem auf der Straße plötzlich schwindelig wird, dann wird diese Person sofort von mindestens zwanzig Personen umgeben, die laut durcheinander schreien und zu helfen versuchen. Wenn jemand eine Organspende benötigt, dann findet sich in Spanien wohl die größte Anzahl von Menschen, die ihren Spenderausweis sofort hinhalten würden.

Die mediterranische Kultur ist besonders. Die Menschen reden und reden (und beschweren sich unaufhörlich) und lassen dich viel zu lange am Obststand verweilen, befor du endlich dein Obst kaufen kannst, weil die Frau vor dir der Verkäuferin haargenau erklären muss, wie das Obst in das Haus ihrer Tocher geliefert werden soll. In Deuschland ist diese Art von Verhalten unvorstellbar. Endloses Reden über persönliche Dinge ist für Spanier nicht etwas für was man sich zu schämen braucht, was aber in anderen Kulturen durchaus der Fall sein könnte. Und durch diese niemals endende Kommunikation kommt man auf das Thema der Eizellspende zu sprechen. Nach einer positiven Erfahrung bringen Spenderinnen ihre Schwestern, Freudinnen und Bekannte mit, die auch an einer Eizellspende interessiert sind.

Man kann nicht bestreiten, dass das Geld dabei nicht die letzte Rolle spielt und ich bin mir sicher, dass ohne einer entsprechenden materiellen Kompensation die Anzahl der Eizellspenderinen stark geschrumpft wäre. Und so kriegen die Frauen eine Kompesation von etwa 1000 Euro und fühlen sich gut bei dem, was sie tun. Die Tatsache, dass Eizellspende in Spanien streng anonym ist, hilft vielen Frauen dabei sich für die Eizellspende zu entscheiden. Diese Frauen werden nie erfahren, ob ihre Eizellen dabei geholfen hat ein neues Leben zu erschaffen und es kommt auch niemand Jahrzehnte später um nach ihnen zu suchen.

Das, meiner Meinung nach, sind die Gründe dafür, warum es in Spanien so einfach ist, Eizellspenderinnen zu finden. Spanische Mentalität ist nicht besser oder schlechter als eine andere, sie ist einfach anders und macht unsere Suche nach Eizellspenderinnen leichter.

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Dr. Katharina Spies ist Gynäkologin und Spezialistin für Reproduktionsmedizin.

Nach dem Studium an der Albert-Ludwigs-Universität in Freiburg und der Universidad Complutense in Madrid promovierte sie in Neurologie im Bereich „Motorisches Lernen und Genetik“ an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. Seit 2007 lebt sie mit ihrem spanischen Mann in Madrid, wo sie am Universitätskrankenhaus Fuenlabrada die Ausbildung zur Fachärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe machte.
Seit 2017 arbeitet sie als Spezialistin für Reproduktionsmedizin bei ProcreaTec.

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