Fertilität

Schlaf und Fertilität

Schlaf und Fertilität

Schlaf und Fertilität

Die Gesellschaft macht uns weis, dass es auf gewisse Weise toll ist, wenig zu schlafen, und dass man stolz darauf sein sollte.

Wir leben in einer Kultur von Menschen, die gern nächtelang durcharbeiten, um in einer Prüfung besser abzuschneiden oder eine Arbeit perfekt einzureichen – oder von technischen Gurus, die gestehen, dass sie nur drei bis fünf Stunden schlafen, wenn sie ein neues Projekt entwickeln. Wobei wir wieder dabei wären, den Schlaf für eine erfolgreichere Karriere zu opfern. Es sind jeoch nicht nur Studenten und Technik-Gurus, generell besteht in der arbeitenden Gesellschaft der Eindruck, dass unsere Tagespläne von Stress und Arbeit dominiert werden. Aber ist diese Einstellung auch wirklich gut für unsere Gesundheit?

Nach und nach gibt es mehr Untersuchungen im Bereich des Schlafes und der Effekte des Schlafentzuges, die schrittweise neue Erkentnisse bringen. Laut dieser Studien ist Schlaf ein sehr wichtiger Teil unseres seelischen Gleichgewichtes und der mentalen Gesundheit. Schlafstörungen können eine ganze Reihe an Erkrankungen und Beschwerden hervorrufen, wie beispielsweise Erhöhung des Blutdruckes, Ängste, Depression, Blutzuckerschwankungen oder sogar kardiovaskuläre Probleme.

Es ist bereits ausreichend belegt, dass Depression und Angststörungen die Schwangerschaftsrate nach IVF-Zyklen vermindern. Derzeit gibt es einige Studien über den direkten Einfluss von Schlafentzug auf die Fertilität. Die Untersuchungen begannen an Frauen, die in Nachtschichten arbeiten. Eine Frau, die nachts arbeitet, hat häufiger Zyklusschwankungen, eine reduzierte Empfänglichkeitsrate, mehr Schwangerschaftsverluste und ein niedrigeres Geburtsgewicht von ihren Kindern als eine Frau, die normalerweise sieben bis acht Stunden schläft. Deshalb könnte man die Nachtschicht auch “Infertilitäts-Schicht” nennen.

In einer anderen, vor kurzem durchgeführten Studie zu Unfruchtbarkeit und Schlaf, wurde nur eine einzige Frage gestellt: “Haben Sie Schlafstörungen?” Wider aller Erwartungen beantworteten 34% der Frauen die Frage mit “ja”. Wenn so viele unfruchtbare Frauen an Schlafstörungen leiden, sollte dieser Aspekt genauer untersucht werden.

Die derzeitigen Arbeitshypothesen über den Einfluss des Schlafes auf die Fruchtbarkeit sind, vereinfacht dargestellt, folgende:

Künstliche heterologe Insemination

  1. Die Hormone, die Schlafstörungen verursachen, können die Reproduktion beeinflussen.

  2. Wenn der Schlafrhythmus bereits beeinflusst ist, könnten diese Hormone aktiviert werden und noch weitere Schlafstörungen hervorrufen.

  3. Unabhängig von diesen Hormonen (und manchmal gerade wegen ihnen) könnten Störungen im zirkadianen Rhythmus – eine elegante Art auszudrücken, dass die innere Uhr aufgrund Verschiebungen des Tag-Nacht-Rhythmus gestört ist – die Ursache von Unfruchtbarkeit sein.

Bis jetzt wurden noch keine weiteren Untersuchungen zum Zusammenhang des Schlafes mit Infertilität durchgeführt. Was auch immer die Forscher in der nahen Zukunft über dieses Thema herausfinden, sollten wir Ärzte unseren Patienten empfehlen, regelmäβig sieben bis acht Stunden zu schlafen, nicht nur, um schwanger zu werden, sondern zum generellen Wohlbefinden.

Einige gute Tipps für einen gesunden Schlaf sind:

  1. Bewahren Sie eine konstante Schlafroutine.

  2. Vermeiden Sie kurze Nickerchen. Wenn Sie tagsüber öfter einnicken, könnten Sie dadurch untertags zu viel schlafen und so Ihren Nachtschlaf stören.

  3. Machen Sie regelmäβig Sport, aber versuchen Sie, den Sport kurz vor dem Zubettgehen zu vermeiden.

  4. Vermeiden Sie Alkohol, Koffein und Zigaretten.

  5. Ernähren Sie sich gesund und ausgewogen und versuchen Sie, die letzte Mahlzeit etwa vier Stunden vor dem Schlafengehen einzunehmen.

Sollten Sie anhaltende Schlafstörungen haben, empfehle ich Ihnen, sich an einen Experten zu wenden und zu versuchen, diesen Aspekt ihres Lebens zu verbessern. Sie werden positive Auswirkungen auf Ihre Stimmung, Ihre Produktivität und Ihre generelles Wohlbefinden merken.

Gute Nacht!

Dr. Katharina Spies ist Gynäkologin und Spezialistin für Reproduktionsmedizin.

Nach dem Studium an der Albert-Ludwigs-Universität in Freiburg und der Universidad Complutense in Madrid promovierte sie in Neurologie im Bereich „Motorisches Lernen und Genetik“ an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. Seit 2007 lebt sie mit ihrem spanischen Mann in Madrid, wo sie am Universitätskrankenhaus Fuenlabrada die Ausbildung zur Fachärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe machte.
Seit 2017 arbeitet sie als Spezialistin für Reproduktionsmedizin bei ProcreaTec.

Kontak






Ich habe die Datenschutzerklärung gelesen und bin damit einverstanden POLITIK der PRIVATSPHÄRE

Pin It on Pinterest

Share This